Suchmaschinen sind für viele Nutzer zum zentralen Einstiegspunkt ins Internet avanciert. Doch bei genauem Hinsehen lassen gängige Such-Services noch viele Wünsche offen. Im Interview mit magnus.de verrät Suchmaschinen-Evangelist Stefan Weitz von Microsoft, warum das so ist und wie sich die Online-Suche in Zukunft verbessern lässt.
magnus.de hat Microsofts Suchmaschinen-Experten Stefan Weitz im Arabella Sheraton Hotel in München getroffen. Dort hat der 'Director of Search' bei Microsoft Rede und Antwort gestanden. Der Suchmaschinen-Evangelist und Gadget-Liebhaber arbeitet seit zwölf Jahren in Redmond und untersucht das Suchverhalten von Onlinern zur Verbesserung von Microsofts Online-Suche.
Laut einer Microsoft-Analyse führt nur eine von vier Suchen zum gewünschten Ergebnis. Alarmierend, da 66 Prozent der untersuchten Onliner eine Suche zur Entscheidungshilfe starten. Davon entfallen 75 Prozent auf die Kaufvorbereitung von Produkten, 62 Prozent auf lokale Vorhaben und 45 Prozent auf die Suche nach Flügen und Hotels.
Warum haben Nutzer keinen Grund, mit ihren Suchergebnissen zufrieden zu sein?
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Laut Weitz antworten die meisten Leute, dass die mit der von ihnen eingesetzten Suchmaschine zufrieden sind.
"Das ist der Moment, in dem man denkt - Donnerwetter! Was kann jemand tun, um das noch zu verbessern?", erklärt Weitz die erste Reaktion auf die genannte Nutzerzufriedenheit. Bei genauerer Beobachtung habe man aber herausgefunden, dass nur ein Viertel der Klicks auf einen Link die Erwartungen des Nutzers erfüllen würden. Ein weiteres Viertel der Zeit verbrächten Suchende damit, auf Suchmaschinen-Resultate zu klicken, die nicht das gewünschte Resultat liefern.
"Dann gehen sie zurück zu der Trefferseite der Suchmaschine. Das ist eine sehr schlechte Erfahrung für den Nutzer", so der Experte. In der anderen Hälfte der Zeit, würden die Nutzer die Suche verfeinern, indem sie weitere Suchwörter hinzufügen.
Abgesehen davon, dass Anwender angeben würden, dass sie mit ihrer Suche glücklich seien, müsse man feststellen, dass sie nicht notwendigerweise auch zufrieden damit seien, unterscheidet Weitz zwischen gefühlten und tatsächlichen Sucherfolg. "Das ist für uns einer der Gründe, weshalb die Leute nicht unbedingt zufrieden sein sollten", appeliert Weitz an die Nutzer.

Stefan Weitz ist ausgewiesener Suchmaschinen-Evangelist und lenkt die Geschicke der Microsoft-Suchmaschine.
Der zweite Grund sei, dass die Anwewnder viel mehr tun, als nur einfach ein Schlüsselwort einzugeben, um zum Erfolg zu kommen. Dies führe dazu, dass die Suchdauer mittlerweile immer mehr zunehme. Ein weiteres Argument dafür, dass die Suche im Netz verbesserungswürdig sei, sieht Weitz darin,
dass Nutzer eine Online-Suche immer mehr als Entscheidungsgrundlage heranziehen.
"Sie nutzen Suchmaschinen als Ausgangspunkt für Reisen oder Anschaffungen., berichtet der Suchmaschinen-Evangelist über seine Beobachtungen. Zwei Drittel der Leute würden angeben, dass sie dies immer öfter tun würden.
"Das Problem ist, dass die Leute bereits in Kauf nehmen, während der halben Suchzeit enttäuscht zu werden", erläutert Weitz das Dilemma der gelernten Sucherfahrungen beim Nutzer und greift zu einem Gleichniss:
"Wenn ein Auto die hälfte der Zeit nicht anspringt, würde es beim Konsumenten floppen. Deshalb sollten Anwender ihre Freude über Suchmaschinen hinterfragen."
Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Änderungen Suchmaschinen-Experte Stefan Weitz für nötig hält, um die Bedürfnisse der Nutzer zu befriedigen...