Internetbetrug
Abgezockt - abgewehrt
Erst wenn das Inkasso-Unternehmen mahnt, merken die Betroffenen, dass sie einem Abzocker auf den Leim gegangen sind. Doch Gegenwehr lohnt.
Hans isst gerne mal ein paar fette Bratwürste, zischt ein paar Pils dazu, raucht anschließend auch unverdrossen vor der Tür und fährt mit dem Taxi statt dem Rad nach Hause. Wenn er nachts dann nicht schlafen kann, sorgt er sich um seine Gesundheit. Ein Fall für die Suchmaschine, Stichwort „Lebenserwartung“. Schnell finden sich ein paar Seiten, die genau das bieten, was er sucht: „Leben Sie richtig? Oder sollten Sie Ihren Lebensstil schnellstens ändern? Durch unseren Test erfahren Sie, wie alt Sie wahrscheinlich mit Ihrem momentanen Lebensstilwerden!“, heißt es beispielsweise auf der Seite des Lifetime-Testers. Und Horst K. (49) aus München bekennt dort mit Foto: „Das hat mich aufgerüttelt, es ist Zeit, mehr auf meinen Körper zu achten.“
Abzocker überall
Bei den Verbraucherzentralen gehen hunderte Beschwerden in der Woche und tausende im Monat ein. Die Zahl der Seiten schätzt Thomas Bradler vom vzbv, liegt im dreistelligen Bereich: „Die schießen wie Pilze aus dem Boden. Sie erscheinen und verschwinden genauso schnell wieder. Dann kommen neue Seiten.“
Die Masche der Abzocker ist immer dieselbe:
- Einen interessanten, verbraucherrelevanten Dienst anbieten.
- Viele Besucher anziehen, z.B. durch eine hohe Suchmaschinenplatzierung.
- Eine schnelle Anmeldung ermöglichen, die ähnlich wie die eines Gratisdienstes aussieht.
- Den Preis in den AGBs oder klein am unteren Rand verstecken.
- Eine Drohkulisse aufbauen und hartes Inkasso betreiben
- Die Leute, die sich wehren, in Ruhe lassen. Es reicht, wenn ein kleiner Teil der Opfer die hohen Gebühren zahlt.
Ähnlich einschüchternd wirken die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Auch die Versendung einer zweiten statt einer ersten Mahnung soll beim Empfänger Panik auslösen, nach dem Motto es ist kurz von Schluss. Dann kommen Briefe von Inkassobüros, der Betreibergesellschaft und schließlich von Anwälten. Gedroht wird mit Gerichtskosten, Strafgebühren, Schufa-Meldungen bis hin zu Anzeigen wegen Betrugs. Ein Leser berichtete uns, dass ihm eine Firma sogar ein Vergleichsangebot über die Hälfte der Gebühr gemacht hat. Schon daran zeigt sich, wie wenig die Abzocker in der Hand haben.
(Lesen Sie auf der nächsten Seite, was es mit Inkasso-Drohungen der Abzocker auf sich hat)



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